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17.12.2010 Handelsblatt - Vermögensverwalter im Interview

"Ohne Staatsanleihen gibt es keine Sicherheit“

Handelsblatt-online-Interview mit Martin Weinrauter. Link zum Handelsblatt.

 

Die Schuldenkrise in Europa hat die Anleger verunsichert. Wenn Staaten von der Pleite bedroht sind, sind Staatsanleihen dann überhaupt noch sicher? Ja, sagt Martin Weinrauter, Vermögensverwalter aus Königstein. An Staatsanleihen mit bester Bonität führe keine Weg vorbei. Außerdem ließen sich Gewinne auch mit fallenden Anleihenkursen erzielen.

Herr Weinrauter, die Schuldenkrise macht vielen Investoren zu schaffen Wie reagieren Sie?

Die sogenannte Staatsschuldenkrise beeinflusst unsere strategische Vermögensaufteilung keinesfalls. Wir investieren den europäischen Rentenanteil ausschließlich in deutsche Staatsanleihen und damit in beste Schuldnerbonität und höchste Liquidität. Weder Bonität noch Liquidität sehen wir in Gefahr. Die Kursentwicklung ist ein anderes Thema, ebenso das Timing: Wir sind bereits seit zwei Monaten nahezu vollständig gegen Kursrückgänge der Anleihen gesichert. In Portfolios, die anlagestrategisch entsprechend aufgestellt sind, haben wir zudem Kursgewinne mit fallenden Anleihenkursen erzielt.

Was halten Sie von Gold zur Absicherung?

Zur Absicherung von was? Keinesfalls zur Absicherung von Anleihen. Falls Gold eine gute Absicherung vor fallenden Anleihenkursen wäre, dann hätte der Goldpreis in den vergangenen drei Jahren nicht steigen dürfen, denn die Zinsen sind gefallen und die deutschen Staatsanleihen haben hohe Kursgewinne erzielt. Falls diese Korrelation bestehen bleiben würde, dann müssten Anleihenkurse und Gold auch gleichzeitig fallen und die Wertentwicklung des Portfolios erst recht unter Druck setzen. Falls sie das nicht tun, dann gibt es auch keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen der Wertentwicklung von Gold und Anleihen und die Frage erübrigt sich grundsätzlich.

Können Sie sich vorstellen, von Staatsanleihen auf Aktien umzusteigen?

Nein. Das ist aus unserer Perspektive gesehen nicht erforderlich. Aktien und Staatsanleihen haben ein vollkommen unterschiedliches Chance-Risikoprofil. Beides spielt im Portfolio eine Rolle, kann aber keinesfalls gegeneinander ausgespielt werden. Die einzige Ausnahme wäre ein Szenario, in dem davon ausgegangen werden müsste, dass selbst Staatsanleihen bester Bonität nicht zurückgezahlt werden. Aber das sehen wir zurzeit - Krise hin oder her - nicht einmal als Möglichkeit.

Was sollen Anleger tun, wenn sie ihr Geld sicher anlegen wollen?

Absolute Sicherheit gibt es nie, es gibt nur relative Sicherheit und dieses Ziel können Anleger nur mit, keinesfalls ohne Staatsanleihen bester Bonität erreichen. Falls das Geld auch ertragreich angelegt werden soll, ist ein Laufzeitenmanagement erforderlich und die Diversifikation über einen Aktienanteil. Falls für den Aktienanteil bei fallenden Kursen Sicherungsstrategien umgesetzt werden, kann durchaus von der zuvor erwähnten relativen Sicherheit gesprochen werden.

Der Dax hat seit März 2009 rund 90 Prozent zugelegt. Sind Aktien nicht schon zu teuer?

Das ist eine Frage der Psychologie und der Ausgangssituation des Anlegers. Warum sollte jemand, der seit dem Frühjahr 2009 den Markt beobachtet und nicht gekauft hat, dies ausgerechnet jetzt tun? Weil jetzt Gewinne sicherer zu erzielen wären als vorher, oder weil die Gefahr von Kursverlusten jetzt geringer wäre? Eine derartige Annahme entbehrt einer aus unserer Überzeugung sinnvollen Grundlage. Weil er das Geld von vermeintlich unsicher gewordenen Staatsanleihen jetzt in sichere Aktien tauschen möchte? Diese Idee erscheint uns, formulieren wir es mal freundlich, abenteuerlich. Etwas anderes ist es, wenn Neugelder angelegt werden und eine langfristige strategische Vermögensaufteilung ansteht. Dann ist die Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt so sinnvoll wie zu jedem anderen Zeitpunkt.

Worauf müssen sich Anleger im kommenden Jahr einstellen?

Vielleicht darauf, dass ihre Wünsche endlich wahr werden und das Zinsniveau wieder ansteigt. Der aktuell in Deutschland gezahlte Zins entspricht nicht dem Inflationsniveau und dem Wirtschaftswachstum. Das Problem wird nicht der Anstieg des Zinsniveaus sein, sondern die Frage, ob die Anleger anschließend von kurzen Laufzeiten rechtzeitig wieder in lange Laufzeiten wechseln. Wir glauben nicht, dass dies vielen gelingen wird.

Die Vermögensverwaltung Grohmann & Weinrauter wurde im Oktober 1991 von Thomas Grohmann und Martin Weinrauter gegründet. Die Gesellschaft verwaltet Kundenvermögen ab einer Million Euro in erster Linie für deutsche und internationale Unternehmerfamilien und Stiftungen. Sie verwaltet nach eigenen Angaben insgesamt 200 Millionen Euro.